30. Januar 2020 | Friedrichshafen
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Am Klinikum Friedrichshafen wird erstmals ein Herzschrittmacher ohne Kabel eingesetzt

Blick in die Zukunft der Herzmedizin

Dietholf Eberhard spürt schon nach einem Tag mit seinem kabellosen Herzschrittmacher Fortschritte. Das freut Ludwig Binner, Senior Expert und Spezialist für Aktive Rhythmusimplantate am Klinikum Friedrichshafen (links) und Professor Dr. Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin.
Dietholf Eberhard spürt schon nach einem Tag mit seinem kabellosen Herzschrittmacher Fortschritte. Das freut Ludwig Binner, Senior Expert und Spezialist für Aktive Rhythmusimplantate am Klinikum Friedrichshafen (links) und Professor Dr. Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin.
Der sondenlose Schrittmacher ist viel kleiner als ein herkömmlicher Herzschrittmacher und wird minimalinvasiv über die Leiste in die Herzkammer eingeführt. Bild: MCB
Der sondenlose Schrittmacher ist viel kleiner als ein herkömmlicher Herzschrittmacher und wird minimalinvasiv über die Leiste in die Herzkammer eingeführt.
Bild: MCB

79 Jahre alt ist Dietholf Eberhard und Dialysepatient. Doch der Häfler spürte schon länger, dass sein Herz nicht mehr „rund läuft“. Seit er dreimal wöchentlich zur Dialyse geht, fiel es ihm noch viel häufiger auf. Jetzt ist er guter Hoffnung. Einen Tag nachdem ihm im Klinikum Friedrichshafen ein sondenloser und damit kabelloser Herzschrittmacher implantiert wurde, läuft er schon über den Krankenhausflur und freut sich auf seine Entlassung. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so schnell wieder fit bin. Mein Herz schlägt leise vor sich hin und stolpert nicht mehr“, beschreibt der gelernte Krankenpfleger seinen momentanen Zustand.      

Neues innovatives Verfahren ohne Schrittmacherkabel

„Es gibt Patienten, für die selbst eine Schrittmacheroperation wegen weiterer Erkrankungen ein hohes Risiko bedeutet. Für diese ausgewählten Patienten ist das neue Verfahren ohne Schrittmacherkabel eine innovative Behandlungsoption“, erläutert Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin, der bereits 2016 an der Uniklinik Ulm diese Therapiemöglichkeit eingeführt hat. Er erklärt, dass dabei die Herzschrittmacherkapsel in der Leiste über die Hohlvene in die Herzkammer geführt und dort mit winzigen Titanärmchen in der Herzwand verankert wird. „Die Kapsel enthält eine Batterie, misst die Herzaktivität – auch abhängig von der körperlichen Betätigung – und sendet bei Bedarf ihr elektrisches Signal, das das Herz zum Schlagen anregt, über einen winzigen Pol“, beschreibt Ludwig Binner, Senior Expert und Spezialist für Aktive Rhythmusimplantate am Klinikum Friedrichshafen, den Vorgang. Ein neues Verfahren, das erst in wenigen deutschen Kliniken technisch angewendet werden kann, zeigt einen neuen Ansatz in der Herzmedizin und ist geeignet für Patienten, bei denen nur eine Herzkammer stimuliert werden muss.

Herkömmlichen Schrittmacher stimulieren Herz über Kabel

Bei herkömmlichen Herzschrittmachern wird ein Aggregat im oberen Bereich des Brustkorbs eingesetzt, das über ein in eine Vene eingeführtes Kabel das Herz stimuliert. 

„Wir blicken hier in die Zukunft der Herzschrittmacher"

Genau diese Operation und Schrittmacherkabel entfallen komplett bei der neuen Technik. Ein weiterer Vorteil des neuen Verfahrens ist, das sich im Körper weniger infektionsanfälliges Material befindet. Das Leistungsspektrum seiner Klinik ist damit erneut weiter gewachsen und dass dieser besondere Schrittmacher in Baden-Württemberg bisher nur in den Uni-Kliniken und wenigen nicht universitären Zentren implantiert wird, ist eine weitere gute Nachricht für alle Patienten in der Region Bodensee-Oberschwaben. „Wir blicken hier aber in die Zukunft der Herzschrittmacher. Eines Tages wird man sicherlich auch Erkrankungen einer Herzkammer und des Herzvorhofs mit solch kleinen Schrittmachern therapieren können“, so Professor Wöhrle.

Mehr Informationen: Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin

Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Jochen Wöhrle

Prof. Dr. med. Jochen Wöhrle

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