05. Juni 2020 | Friedrichshafen
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Cardiac-Arrest-Zentrum des Klinikums Friedrichshafen als erstes im Südwesten etabliert und zertifiziert

Wichtiges Glied in der Rettungskette bei Herzstillstand

Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin (links) und Prof. Dr. Volker Wenzel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie freuen sich über die erfolgreiche Zertifizierung. Bild: MCB
Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin (links) und Prof. Dr. Volker Wenzel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie freuen sich über die erfolgreiche Zertifizierung.
Bild: MCB

Am Morgen des Valentinstages 2017 wird eine junge Frau in Ailingen davon wach, dass ihr Mann komische Geräusche von sich gibt. Erst glaubt sie, dass er schlecht träumt und „weckt“ ihn entsprechend. Dabei sieht sie seine weit aufgerissenen Augen, hört wie er nach Luft schnappt und fühlt seinen Puls. Nichts. Die junge Frau alarmiert ihre Schwiegereltern, die im selben Haus wohnen und umgehend einen Notruf absetzen, und beginnt mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung ihres 25-jährigen Mannes, wechselt sich mit dessen Mutter ab, bis die professionellen Rettungskräfte eintreffen…

Jede Minute zählt

Alle fünf Minuten bricht in Deutschland ein Mensch zusammen, weil sein Herz aussetzt. Der plötzliche Herztod droht. Ursache ist meist eine koronare Herzkrankheit, bei der eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße vorliegt. Rund 75.000 Patienten werden reanimiert, bevor sie in eine Klinik kommen. Dabei zählt jede Minute und in etwa 40 Prozent aller Fälle gelingt die Wiederherstellung des Spontankreislaufs, bevor die Betroffenen in eine Klinik gebracht werden.

Lebensrettende Laienreanimation

„Der junge Mann hat ein Riesenglück gehabt, weil seine Frau ihn sofort wiederbelebt hat und weil unser Notarzt etwa zehn Minuten später vor Ort war. Ohne die Laienreanimation durch die Ehefrau hätte er niemals überlebt“, stellt Prof. Dr. Volker Wenzel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Klinikums, der jungen Ehefrau und der Mutter des Mannes ein ausgezeichnetes Zeugnis aus.

Exzellentes Zeugnis für Klinikum Friedrichshafen

Jetzt stellten externe Auditoren dem Klinikum Friedrichshafen ein exzellentes Zeugnis aus und zertifizierten das „Cardiac Arrest Center“ (Herzstillstand-Zentrum) als Erstes in Baden-Württemberg im nicht-universitären Bereich. „Wir sind sehr stolz darauf“, hält Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin nicht hinter dem Berg und erläutert, gemeinsam mit Prof. Wenzel, welche personellen und strukturellen Voraussetzungen dafür nötig sind.

Gemeinsame Expertise, langjährige klinische Praxis

Beide Chefärzte befassen sich jeweils seit einem Vierteljahrhundert mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung: Prof. Wenzel klinisch-wissenschaftlich und Prof. Wöhrle als Kardiologie bei der Therapie von Patienten mit Herzstillstand. Diese gemeinsame Expertise und die langjährige alltägliche klinische Praxis im Klinikum Friedrichshafen mit den notwendigen etablierten Standards fließen im „Cardiac Arrest Center“ vorbildlich zusammen. Die erforderlichen „Zutaten“ fasst Prof. Wenzel so zusammen: erfahrenes Personal im Schockraum, ein „rund-um-die-Uhr“ einsatzbereites Herzkatheterlabor, eine Intensivstation, zwei Linksherzkatheterlabore, ein Rettungshubschrauber und ein Notarztwagen.

Pro 1000 Einwohner eine Reanimation im Jahr

„Man geht bei 1000 Einwohner von einer Reanimation pro Jahr aus“, erklärt Prof. Wöhrle. Im Bodenseekreis leben rund 215.000 Menschen, dazu kommen ein Teil der Einwohner der angrenzenden Landkreise sowie die vielen Touristen und Urlauber. Am Notfallort erfolgreich reanimierte Patienten werden in das Klinikum Friedrichshafen transportiert und dort entsprechend den zahlreichen Standards therapiert, was in einem Überlebensvorteil resultiert.

Patienten und Rettungsdienste profitieren

Von der Etablierung und Zertifizierung des „Cardiac Arrest“-Zentums am Klinikum Friedrichshafen profitieren sowohl die Patienten als auch die Rettungsdienste, weil das Klinikum sich als professionelles Glied in der Rettungs- und Therapiekette nach erfolgreicher vorklinischer Reanimation anbietet und die Rettungsdienste betroffene Patienten zielsicher in das überprüfbar spezialisierte Krankenhaus zuweisen können. Die Patienten profitieren, weil Fehltransporte zu weniger oder gar nicht spezialisierten Kliniken vermieden werden und damit wertvolle Zeit gespart wird, die von erheblicher prognostischer Bedeutung bezüglich des Überlebens ist.   

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