19. Mai 2020 | Friedrichshafen
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Klinikum Friedrichshafen eröffnet neue Corona-Station

Vom Verdachtsfall bis zur Beatmung: 18 Krankenbetten für Covid-19-Patienten

Noch befindet sich kein Patient in der „Isoliereinheit Intensiv“ des Klinikums Friedrichshafen, aber die Verantwortlichen sind gerüstet. Bild: Claudia Wörner
Noch befindet sich kein Patient in der „Isoliereinheit Intensiv“ des Klinikums Friedrichshafen, aber die Verantwortlichen sind gerüstet.
Das Klinikum Friedrichshafen ist für Covid-19-Patienten gerüstet (von rechts): Geschäftsführender Oberarzt Dr. Martin Eble, Dr. Bernhard Kiß, Leiter des Gesundheitsamtes Bodenseekreis und Ärztlicher Direktor Prof. Roman Huber besichtigen ein Krankenzimmer auf der neuen Corona-Station. Bild: Claudia Wörner
Das Klinikum Friedrichshafen ist für Covid-19-Patienten gerüstet (von rechts): Geschäftsführender Oberarzt Dr. Martin Eble, Dr. Bernhard Kiß, Leiter des Gesundheitsamtes Bodenseekreis und Ärztlicher Direktor Prof. Roman Huber besichtigen ein Krankenzimmer auf der neuen Corona-Station.
Bilder: Claudia Wörner

Bereit für Covid-19-Patienten ist die neue „Corona-Station“ im zweiten Obergeschoss des Klinikum Friedrichshafen. Hier werden sie mittel- oder langfristig behandelt, ganz gleich, ob sie einen leichteren oder schweren Krankheitsverlauf haben, ob sie beatmet werden müssen oder nicht. Platz bietet die Station für bis zu 18 Patienten. Somit kann das ambulante Operationszentrum, das zur temporären Intensivstation umfunktioniert war, wieder seine gewohnte Arbeit aufnehmen.

42 Patienten wurden im Klinikum Friedrichshafen behandelt

Mit insgesamt 290 bestätigten Covid-19-Fällen im Bodenseekreis habe man insgesamt Glück gehabt, sagt Prof. Roman Huber, Ärztlicher Direktor des Klinikums Friedrichshafen. „Wir haben die niedrigste Inzidenz in ganz Baden-Württemberg.“ 42 Patienten wurden im Klinikum Friedrichshafen behandelt, 15 von ihnen mussten beatmet werden. Fünf Patienten sind verstorben.

„Wir stellen uns auf eine längere Dauer ein"

„Wir stellen uns auf eine längere Dauer ein. Corona wird uns bis mindestens Ende des Jahres begleiten, wenn nicht länger“, so Prof. Huber. „Deshalb brauchen wir einen geschützten Bereich.“ Aktuell ist das Klinikum Friedrichshafen Covid-frei. Es gibt weder nachgewiesene Fälle noch Verdachtsfälle. Bislang hat das Haus 59 Intensivbetten, davon 42 Beatmungsplätze, für Covid-19-Patienten bereitgehalten.

Neue Covid-19-Station: Ein Krankenhaus im Krankenhaus

Durch die Covid-19-Station, offiziell heißt sie „Isoliereinheit Intensiv“, müssen Patienten innerhalb des Klinikums nicht mehr verlegt werden. „Wir haben quasi ein Krankenhaus im Krankenhaus und können auf diese Weise andere Patienten und unsere Mitarbeiter besser schützen“, erläutert Geschäftsführerin Margita Geiger das Konzept, das in Baden-Württemberg bislang einmalig ist. Dafür wurde die Station baulich von der benachbarten Pflegegruppe komplett abgetrennt. Schleusen für das Personal sind eingerichtet, die Medizintechnik ist vor Ort, die IT-Infrastruktur steht und in jedem der sechs Krankenzimmer funktioniert die medizinische Überwachung. „Wir sind betriebsbereit und befinden uns, wie schon in der Vergangenheit, vor der Lage“, betont Dr. Martin Eble, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie.

Neue Station erleichtert Rückkehr zur Normalität

Bis zu 18 Plätze für Covid-19-Patienten seien großzügig ausgelegt, so die Einschätzung von Dr. Eble. Vorgesehen seien zwei Patienten pro Zimmer und Einzelbelegung im Verdachtsfall. Trotzdem arbeitet das Klinikum mit isolierbaren Plätzen auf der regulären Intensivstation auch weiterhin mit einem Überlaufkonzept. Hinzu kommt die reguläre Infektionsstation. Abgebaut und in Container verstaut wird die mobile Krankenstation von Airbus, die vom Landratsamt für sechs Monate angemietet wurde. „Innerhalb von vier Stunden ist sie bei Bedarf aber wieder aufgebaut“, erklärt Dr. Bernhard Kiß, Leiter des Gesundheitsamts des Bodenseekreises. Die neue Station erleichtert die Rückkehr zur Normalität. Ab kommender Woche soll der Krankenhausbetrieb wieder auf 80 Prozent hochgefahren werden, so dass bisher aufgeschobene Operationen wieder stattfinden können.

Gemeinschaftsleistung mit Gesundheitsamt

Finanzielle Förderung gibt es für die neue Covid-19-Station nicht. „Das wuppt der Medizin Campus aus eigener Tasche“, berichtet Geschäftsführerin Geiger. Es stehe jedoch außer Frage, dass dieser Weg der richtige sei. Von einer Gemeinschaftsleistung zusammen mit dem Gesundheitsamt spricht Dr. Eble. „Die Zusammenarbeit hat hervorragend geklappt.“