01. April 2021 | Friedrichshafen
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Klinikum Friedrichshafen setzt auf Nachtwachen-Koordinatoren in der Pflege

Wenn alle Stricke reißen…

Christiane Winnemund ist an 17 Tagen pro Monat die Haupt-Nachtwache des Pflegedienstes im Klinikum Friedrichshafen. Bild: MCB
Christiane Winnemund ist an 17 Tagen pro Monat die Haupt-Nachtwache des Pflegedienstes im Klinikum Friedrichshafen.
Bild: MCB

Mal ist es eine Kollegin, die sich nicht wohl fühlt oder verletzt hat und deren Station übernommen werden muss, mal ist es ein Kollege, der dringend Unterstützung benötigt, weil mehrere Patienten unruhig sind und ein andermal brauchen Kollegen Hilfe, weil vielleicht ein Verstorbener versorgt werden muss… genau in solchen Fällen sind Christiane Winnemund und ihr Kollege Dietmar Ast gefragt. Beide sind die „Pioniere“ der Nachtwachenkoordination des Klinikums Friedrichshafen, die seit Anfang Dezember und auf Initiative der Pflegedirektion im Einsatz ist.

Hauptnachtwache ist für alle Stationen eine Unterstützung

„Weil wir da sind, haben sich die „Notrufe“ an Kollegen im Frei, die sonst einspringen müssten, reduziert“, erklärt die 57-jährige Christiane Winnemund. Sie arbeitet noch gar nicht so lange im Klinikum Friedrichshafen, wechselte erst im vergangenen Jahr innerhalb des Medizin Campus Bodensee (MCB) aus Weingarten an den See. Als ehemalige Betriebsratsvorsitzende des Krankenhaus 14 Nothelfer Weingarten und dortige langjährige Nachtschwester weiß sie genau, dass gerade nachts oft der personelle „Schuh drückt“ und wie belastend es in den beschriebenen Ausnahmesituationen sein kann, adäquaten Ersatz zu finden. „Bei ihren Gängen über die Stationen ist es wichtig, dass die Hauptnachtwache  Ruhe und Sicherheit ausstrahlt“, fasst Pflegedirektor Andreas Stübner zusammen und ergänzt: „Die Hauptnachtwache soll für alle Stationen eine Unterstützung sein bei der Versorgung von Schwerkranken und Verstorbenen oder bei der psychischen Betreuung von Schwerkranken und deren Angehörigen“.

Gerade nachts schnell auf personelle Engpässe regieren

Auch die neuen gesetzlichen Vorgabe für die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PPUGV) unterstreichen, wie wichtig diese zusätzliche und koordinierende Unterstützung in der Nacht ist, die es im Klinikum aber auch ohne die PPUGV gegeben hätte. Diese schreibt für einige Bereiche der Krankenhäuser genau vor, wie viele examinierte Pflegekräfte tagsüber oder nachts auf den Stationen zur sicheren Versorgung der Patienten eingesetzt werden müssen. Da heißt es gerade nachts nicht selten, schnell auf personelle Engpässe zu reagieren, Arbeiten abzunehmen, zu unterstützen.

Springerpool wird wachsen

„Die Kolleginnen und Kollegen sind froh, dass ich da bin und sagen es auch“, freut sich Christiane Winnemund und schließt ihren Kollegen Ast ins Lob ein. Was sie, die „Neue“, am Klinikum begeistert ist die Vernetzung und die Zusammenarbeit über die Bereiche hinweg“. Das, so Winnemund, erlebe sie bei jedem ihrer Dienste. Gegen 21 Uhr beginnen diese an rund 17 Tagen pro Monat im Klinikum in der Zentralen Notaufnahme im Erdgeschoss, erzählt die Krankenschwester. Sie erkundigt sich über die aktuelle Situation, nach freien Betten und überzeugt sich, ob der Nachtdienst ordnungsgemäß den Dienst angetreten hat. Danach geht es in den Bereich, in dem sie eingeplant ist oder der sie angefordert hat, denn „man kann mich auch buchen“, schmunzelt Christiane Winnemund, und ergänzt „zum Beispiel als Urlaubsvertretung“. „Wenn alle Stricke reißen, hab ich wen, an den ich mich wenden kann“, fasst sie das Feedback der Kollegen auf den Stationen zusammen. Und auch deshalb wird dieser „Springerpool“ wachsen.