21. Dezember 2018
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Medizin am Gleis: Aortenaneurysma und Thrombose

Thrombose und die „tickende Zeitbombe“ Aortenaneurysma interessierten mehr als 70 Besucher beim letzten Patientenvortrag des Jahres 2018 in der Reihe „Medizin am Gleis“ des Medizin Campus Bodensee (MCB). Mit Dr. Rick de Graaf, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin und Dr. Jan-Gerit Geisler, Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin in Friedrichshafen referierten zwei ausgewiesene Spezialisten auf diesen Gebieten.

Aortenaneurysma und Thrombose: Dr. Rick de Graaf, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin (links) und Dr. Jan-Gerit Geisler, Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin des Klinikums Friedrichshafen, referierten bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren. Bild: MCB
Aortenaneurysma und Thrombose: Dr. Rick de Graaf, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin (links) und Dr. Jan-Gerit Geisler, Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin des Klinikums Friedrichshafen, referierten bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren.
Bild: MCB

Hat die Gefäßwand der Aorta eine krankhafte Aussackung, spricht man von einem Aortenaneurysma. Betroffen davon ist zu 80 Prozent die Bauchschlagader. In den meisten Fällen merken die Patienten – Männer sind fünfmal häufiger betroffen als Frauen – nichts davon. Platzt jedoch die Bauchschlagader kommt Rettung in den meisten Fällen zu spät und die Patienten sterben an inneren Blutungen. „Per Ultraschall ist die Aussackung deutlich erkennbar, aber sehr oft handelt es sich um einen Zufallsbefund“, berichtet Dr. Geisler. Positiv werde sich ein Screening-Programm für alle Männer ab 65 auswirken, das die Krankenkassen einführen wollen. „Sinnvoll wäre eine Ultraschalluntersuchung alle fünf Jahre“, fordert der Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.

Operation nach Abwägen der Risiken

Je größer die Aussackung der Gefäßwand, desto höher das Risiko der Ruptur. „Bei einem Durchmesser zwischen fünf und sechs Zentimetern liegt es bei zehn Prozent, bei einem Durchmesser bis zu 7,9 Zentimeter geht man von einem 60-prozentigen Risiko aus“, erläuterte der Gefäßchirurg. Wichtig sei jedoch nicht nur die Momentaufnahme der Aorta, sondern die Entwicklung des Aneurysmas. So sei eine Operation – je nach Fall eine offene Bauch-OP oder ein minimalinvasiver Eingriff – immer mit dem Abwägen der individuellen Risiken verbunden.

Klassische und minimal-invasive OP

Bei der klassischen offenen OP, die es seit mehr als 60 Jahren gibt, ersetzt der Chirurg das kranke Segment durch eine Prothese, den Stent. „Vorteil ist, dass sie bei jedem Patienten möglich ist, auch im Notfall“, so Dr. Geisler. Bei der minimalinvasiven OP über zwei kleine Schnitte werde die kaputte Aorta hingegen nicht entfernt. Vielmehr werde die Pulswelle durch eine Art inneren Gefäßersatz umgeleitet. „Damit nehmen wir den Druck und es kommt zu keinem weitern Wachstum.“

Thrombose kann tödlich sein

Thrombosen und die damit verbundenen Risiken nahm Chefarzt Dr. Rick de Graaf in den Blick. „370.000 Menschen sterben in Europa jährlich an einer Thrombose. Das sind mehr als an Brustkrebs, Prostatakrebs, Aids und Verkehrsunfällen zusammen“, unterstrich er die Brisanz des Themas. Kritisch werde es, wenn das Blutgerinnsel im Herz einen Infarkt oder im Gehirn einen Schlaganfall auslöse. Gefürchtet sei die Lungenembolie, die nicht selten tödlich verläuft. Ein Bein ist rot und geschwollen, es schmerzt und das Gehen bereitet Probleme – dies können Anzeichen für eine Thrombose sein.

Blutgerinnsel bekämpfen

Medikamente wie Blutverdünner bewähren sich bei der konservativen Therapie seit Jahrzehnten. „Sie entfernen das Blutgerinnsel jedoch nicht, sondern sorgen nur dafür, dass es nicht weiter wächst.“ Thrombektomie heißt die operative Methode, bei der das Blutgerinnsel mit Hilfe eines Katheters und eines Ballons aus dem Blutgefäß entfernt wird. Besonders am Herzen liegen Dr. de Graaf Patienten mit postthrombotischem Syndrom, einer chronischen Stauung des Blutrückflusses in Beinen oder Armen. „Symptome sind Ödeme, Schmerzen, Schwellungen, Hautänderung oder offene Beine.“, erläutert der Chefarzt, dessen Spezialgebiet im Klinikum Friedrichshafen endovaskuläre Behandlungen auf dem Wege durch das Gefäßinnere sind.

Weitere Termine bei "Medizin am Gleis"

Am Mittwoch, 16. Januar dreht sich bei „Medizin am Gleis“ ab 19 Uhr alles um das Thema "Füße gehören in die richtigen Hände".

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