07. Juli 2020 | Friedrichshafen
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Medizin-Studenten kommen auch aus dem benachbarten Ausland

Medizin-Studenten wie Maximiliane Willems kommen auch aus dem benachbarten Ausland zum „Praktischen Jahr“ ans Klinikum Friedrichshafen

Maximiliane Willems ist einer der Auslands-Medizin-Studentinnen, die im Klinikum Friedrichshafen Teilabschnitte der praktischen Ausbildung absolvieren. Bild: MCB
Maximiliane Willems ist einer der Auslands-Medizin-Studentinnen, die im Klinikum Friedrichshafen Teilabschnitte der praktischen Ausbildung absolvieren.
Bild: MCB

Dass sie nach dem Abitur in Albstadt erst einmal in Stuttgart Maschinenbau studierte, begründete Maximiliane Willems mit ihren guten Mathenoten und ihrem Interesse an Technik. Und dass sie dann mit dem Maschinenbau-Bachelor in der Tasche erstmal eine ganze Weile durch die Welt reiste, beschreibt sie als „Findungsphase“. Heute, mit 30 Jahren und einer eineinhalbjährigen Tochter, absolviert sie, kurz vor dem Abschluss ihres Medizinstudiums an der Universität Innsbruck, letzte praktische Teilabschnitte ihres Studiums im Klinikum Friedrichshafen.

Medizin-Studium in Innsbruck

Dass sie Medizin studieren wollte, wusste sie nach ihrem Weltenbummel. Dass an deutschen Universitäten die Zweit-Studien-Quote jedoch regelt, dass nur zwei bis vier Prozent der Medizinstudium-Plätze an Menschen vergeben werden, die bereits ein Studium abgeschlossen haben, wusste sie damals nicht. Am Medizin-Studium hielt sie fest, suchte einen anderen Weg und meisterte auf Anhieb die Aufnahmeprüfung in Innsbruck, wo sie 2014 mit dem Studium der Medizin begann.

Seit knapp 20 Jahren akademisches Lehrkrankenhaus

Medizin-Studierende im Praktischen Jahr (PJ) gehören zum Klinikum Friedrichshafen dazu, wie der DRF-Rettungshubschrauber „Christoph 45“. Seit knapp 20 Jahren ist das Klinikum eines der 14 akademischen Lehrkrankenhäuser, die der medizinischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen angegliedert sind. In diesen Lehrkrankenhäusern absolvieren die Medizin-Studierenden im dritten Studienabschnitt ihr PJ mit Pflicht- und Wahlfächern.

Ende Juni zwölf neue Studierende im Klinikum

Ende Juni kamen wieder zwölf neue Studierende nach Friedrichshafen, um hier in der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie und Endoprothetik, Gefäßchirurgie, Anästhesiologie und Intensivmedizin, Innere Medizin, Frauenheilkunde, Pädiatrie und Radiologie theoretische Vorlesungen zu besuchen und praktisch am Krankenbett und im OP-Saal zu arbeiten. Am Ende des PJs stehen dann die abschließenden Staatsexamens-Prüfungen und viele angehende Mediziner wissen spätestens dann, für welche Fachrichtung ihr Herz schlägt.

PJ auch für Studenten ausländischer Universitäten

Seit einigen Jahren nutzen diese „PJ“-Möglichkeiten auch Medizin-Studenten ausländischer Universitäten. Meistens sind sie in der Bodenseeregion aufgewachsen und haben sich, bedingt durch den NC an den deutschen Universitäten oder die Zweit-Studien-Quote für das Medizinstudium in beispielsweise Österreich, Ungarn oder Tschechien entschieden. Dort gibt es keinen NC und die Prüfungsordnung unterscheidet sich von der hiesigen. So können die Erasmus-Studenten (Programm der EU für allgemeine und berufliche Bildung, basierend auf der Zusammenarbeit der europäischen Hochschulen und zur Förderung der Mobilität der Studenten) Teilabschnitte ihres Studiums eben auch an Krankenhäusern in Deutschland absolvieren. „Meistens sind sie sechs bis acht Wochen im Klinikum Friedrichshafen“, erklärt Silke Meschenmoser, Ansprechpartnerin auch für diese meist fünf bis sechs parallel anwesenden Studierenden.

Junge Mutter und angehende Ärztin

Maximiliane Willems ist eine dieser „Auslands-Studenten“ und hat ihre Diplomarbeit längst geschrieben und abgegeben. Diese ist in Österreich für Medizinstudenten verpflichtend, erst anschließend dürfen Sie den Titel Dr. med. univ. führen. Die junge Frau schrieb über „Stressreagibilität in der Schwangerschaft und deren Verbindung zum mütterlichen Bindungsverhalten“ und bringt jetzt im Klinikum Friedrichshafen, wo sie mehrere Teilabschnitte hintereinander in der Pädiatrie, Anästhesie und Inneren Medizin absolviert, ihre Aufgaben als junge Mutter und angehende Ärztin unter einen Hut. Unterstützt von ihrem Mann, der bei der ZF arbeitet, und den Großeltern. Voraussichtlich ist sie Ende 2020 mit ihrem Medizinstudium fertig – und dann? „Dann würde ich gerne hier im Klinikum anfangen, am liebsten in der Pädiatrie“, verrät sie.