04. Juni 2019
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Pflegekräfte von den Philippinen beim Medizin Campus Bodensee

"In fachlicher und menschlicher Hinsicht eine Bereicherung"

Pflegekräfte von den Philippinen sind wertvolle Fachkräfte in den Häusern des Medizin Campus Bodensee (von links): Marie Nicole Licerio, Drexel Bautista, Maria Fatima Bombita, Carlo Polinar, Lucille Samonte, Assistentin der Pflegedirektion und Pflegepädagogin Stephanie Bretz, Jula Comelab und Mark Villarmente. Bild: MCB
Pflegekräfte von den Philippinen sind wertvolle Fachkräfte in den Häusern des Medizin Campus Bodensee (von links): Marie Nicole Licerio, Drexel Bautista, Maria Fatima Bombita, Carlo Polinar, Lucille Samonte, Assistentin der Pflegedirektion und Pflegepädagogin Stephanie Bretz, Jula Comelab und Mark Villarmente.
Bild: MCB

20 Pflegekräfte kamen zwischen November 2017 und Herbst 2018 vom südostasiatischen Inselstaat Philippinen an den Medizin Campus Bodensee (MCB), um am Klinikum Friedrichshafen und in der Klinik Tettnang zu arbeiten. 16 sind mittlerweile als Fachkraft anerkannt und als vollwertige Gesundheits- und Krankenpfleger auf den Stationen tätig. Stephanie Bretz, Assistentin der Pflegedirektion und Pflegepädagogin, ist für ihre Einarbeitung zuständig und unterstützt die jungen Männer und Frauen darüber hinaus dabei, sich in Deutschland einzuleben.

Pflegekräfte in Deutschland händeringend gesucht

Aufgrund der demografischen Entwicklung werden Pflegekräfte in Deutschland händeringend gesucht. Um dem zu begegnen hat der MCB die Ausbildung nicht nur ausgeweitet und differenziert, sondern auch examinierte Fachkräfte von den Philippinen rekrutiert. Bereits in ihrem Heimatland haben sie die B2-Sprachprüfung abgelegt, sind doch gute Deutschkenntnisse unabdingbar für die Arbeit im Krankenhaus. Hinter den jungen Männern und Frauen von den Philippinen liegt ein vierjähriges Bachelorstudium mit medizinischem Fokus. „Trotzdem unterscheidet sich die Arbeit in der Pflege hier doch in einigen Punkten von der auf den Philippinen und sie durchlaufen bei uns zunächst einen Anpassungslehrgang“, erläutert Stephanie Bretz. Je nach Vorkenntnissen und Berufserfahrung dauert er zwischen 5,5 und neun Monaten.

Die Vorbereitung: Anpassungslehrgang & Sprachunterricht für Fachvokabular

Ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit in einem philippinischen Krankenhaus ist die Grundpflege des Patienten. „In meiner Heimat ist immer ein Angehöriger  im Krankenhaus dabei. Er übernimmt das Waschen und sorgt für das Essen“, erklärt Marie Nicole Licerio. Die Medikamente haben in Deutschland nicht nur andere Namen, auch ihre Zusammensetzung ist teilweise anders als in Südostasien. Deshalb sei der Anpassungslehrgang, der vom Klinikum Friedrichshafen organisiert wird, samt berufsbegleitendem Sprachunterricht für das Fachvokabular unabdingbar, stellt Stephanie Bretz fest. In der Praxis werden Unsicherheiten aufgegriffen und die gezielte Schulung dient dazu, dass sich die philippinischen Pflegenden auf Station immer besser zurechtzufinden. „Beim Erlernen der Grundpflege geht es auch um die möglichst rückenschonende Arbeit“, nennt die Pflegepädagogin ein Beispiel. Auch wer die Urkunde und damit die offizielle Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpfleger besitze, brauche noch etwas Zeit, um sich auf der Station einzuarbeiten, berichtet sie. „So geht es aber auch jeder Schülerin, die nach der Ausbildung ins Berufsleben startet.“

Bereicherung in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht

Stephanie Bretz unterstützt die Pflegekräfte von den Philippinen nicht nur in fachlicher Hinsicht, sondern auch beim Einleben in Deutschland. „Wir halfen bei der Suche nach Wohnungen, sodass bis zu acht Leuten zusammen in einer Wohngemeinschaft leben können“, nennt sie ein Beispiel. Sie zeigte ihnen aber auch das Einwohnermeldeamt, die Ausländerbehörde und Einkaufsmöglichkeiten. Noch gut kann sie sich daran erinnern, als die Südostasiaten, für die 30 Grad im Schatten die Normaltemperatur ist, den ersten Schneefall miterlebten. „Da war der Unterricht erst mal beendet und alle haben Fotos gemacht“, lacht Stephanie Bretz. Inzwischen sei sie glücklich über jeden Einzelnen. „Die philippinischen Pflegekräfte bringen unserem Medizin Campus mit seinen Patienten sehr viel zusätzliche Freundlichkeit.“ Sowohl in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht seien sie eine Bereicherung.

Viele positive Rückmeldungen der Patienten

Es gebe zwar viele Herausforderungen, aber sie seien zufrieden bei der Arbeit, sagt Lucille Samonte. „Hier in Deutschland haben wir die Möglichkeit, unsere Fähigkeiten und Kenntnisse zu verbessern und zu vertiefen“, ergänzt Drexel Bautista in fließendem Deutsch. Natürlich sei auch der Verdienst in Deutschland deutlich besser als im Heimatland und er könne seine Familie unterstützen. Während im deutschen Krankenhaus alle Hilfsmittel vorhanden seien, herrsche auf den Philippinen Mangel. „Die Angehörigen müssen Verbandsmaterial und Medikamente kaufen und mitbringen“, zieht Jula Comelab den Vergleich. „Es gibt auch hier in Deutschland stressige Situationen, aber wir kommen jeden Tag besser zurecht.“ Dies bestätigen die vielen positiven Rückmeldungen der Patienten.

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