12. November 2020 | Friedrichshafen
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Plötzlich selbst Patientin

OP-Schwester Natalya Adow wurde im viszeral-onkologischen Zentrum des Klinikums Friedrichshafen erfolgreich operiert

MCB-Mitarbeiterin Natalya Adow blickt zurück auf ein schweres Jahr: Selbst als OP-Schwester im Klinikum Friedrichshafen tätig, musste sie sich dort einer Operation unterziehen. Bild: MCB
MCB-Mitarbeiterin Natalya Adow blickt zurück auf ein schweres Jahr: Selbst als OP-Schwester im Klinikum Friedrichshafen tätig, musste sie sich dort einer Operation unterziehen.
Bild: MCB

Das Jahr 2020 ist für alle wegen COVID-19 eine besondere Herausforderung. Aber Natalya Adow, OP-Schwester im Klinikum Friedrichshafen, hat darüber hinaus mit einer schweren Krankheit zu kämpfen. Im Januar wurde die alleinerziehende Mutter von drei Kindern an der Bauchspeicheldrüse operiert…

„Ich habe aber schon geahnt, dass es sich um etwas Ernsthaftes handelt."

Schon im Sommer 2019 fühlte sich Natalya Adow nicht wohl. „Ich hatte immer wieder Bauchschmerzen und Kreislaufprobleme. Auch meine Blutwerte waren nicht in Ordnung“, erinnert sie sich. Im Herbst hätten die Beschwerden in Verbindung mit Gewichtsverlust weiter zugenommen, im November habe sie einen Druck unter den Rippen gespürt. Trotz Ultraschall und CT dauerte die Diagnose für die OP-Schwester über ein halbes Jahr. „Ich habe aber schon geahnt, dass es sich um etwas Ernsthaftes handelt. Als Krankenschwester versteht man den eigenen Körper vielleicht doch etwas besser.“ Erst eine Biopsie im Zuge einer Magenspiegelung im Klinikum Friedrichshafen zeigte, dass die 43-Jährige ein Karzinom hat.

Große Operation notwendig

Mit dem Wissen, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs der gefährlichste ist, machte sich Natalya Adow vor allem auch große Sorgen um ihre Kinder „Mein erster Gedanke war, wer wird künftig für sie sorgen? Mein Mann ist vor drei Jahren gestorben. Ich konnte nur noch weinen“, erinnert sie sich an die schwere Zeit. Bei der großen, magenerhaltenden Operation wurden ihr ein Teil der Bauchspeicheldrüse, die Galle, der Zwölffingerdarm und die darum herumliegenden Lymphknoten entfernt. Die gute Nachricht: Es war doch kein Pankreas-Karzinom, sondern ein Tumor in der Wand des Zwölffingerdarms. „Die Zeitfrage spielte eine enorm wichtige Rolle“, sagt sie.

Plötzlich selbst auf dem OP-Tisch

Operiert wurde Natalya Adow von Privat-Dozent Dr. Thorsten Lehmann im viszeral-onkologischen Zentrum des Klinikums Friedrichshafen. Als OP-Schwester habe sie ja normalerweise den Blick von oben nach unten. „Nun lag ich auf einmal selbst auf dem Operationstisch.“ Aber sie habe genau gewusst, welche Kollegen bei ihr gewesen seien. „Ich weiß, dass sie fachlich sehr gut sind und das gab mir eine innere Ruhe“, erinnert sie sich an den schweren Eingriff und auch daran, dass sie vor der Operation sogar noch mit ihnen gescherzt habe.

„Ich habe trotz allem viel Glück im Unglück gehabt.“

Dr. Thorsten Lehmann hat die Patientin nicht nur als hervorragenden Operateur kennengelernt, auch menschlich ist sie dem Chefarzt sehr dankbar. In einem Gespräch im Vorfeld der Operation hatte sie erwähnt, dass das Visum ihrer Mutter aus Kasachstan kurz nach dem Eingriff auslaufe und sie nicht wisse, wie sie die Betreuung ihrer beiden jüngsten, fünf und sieben Jahre alten Kinder organisieren soll. „Dr. Lehmann schrieb daraufhin einen Brief an die Ausländerbehörde und erläuterte meine Situation.“ Das Visum wurde daraufhin tatsächlich um drei Monate verlängert und Natalya Adow sagt zusammenfassend: „Ich habe trotz allem viel Glück im Unglück gehabt.“

Berufsbegleitendes Bachelor-Studium weiterverfolgt

Leider habe sie die anschließende Chemotherapie nicht vertragen, konnte weder essen noch trinken und nahm stark ab. Die Therapie wurde abgebrochen, auch im Zusammenhang mit Corona gespielt, denn die Immunabwehr der Patientin war nicht mehr da. Zwischen den Behandlungen hat Natalia Adow trotzdem ihr berufsbegleitendes Bachelor-Studium zum Physician Assistant, dem Bindeglied zwischen Arzt und Pflegepersonal, weiterverfolgt. „Das macht mir sehr viel Freude und ich bin nach wie vor motiviert.“ Eventuell wird sie nach ihrem Reha-Aufenthalt und weiteren Kontrolluntersuchungen Anfang 2021 wieder im OP des Klinikums Friedrichshafen arbeiten können. „Darauf konzentriere ich mich und ich hoffe sehr, dass ich wieder richtig gut auf die Beine komme.“ (cw)