09. Februar 2026
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Navigation des Herzens

Für viele Patienten mit Herzrhythmusstörungen, wie etwa Vorhofflimmern, kann die Behandlung eine echte Herausforderung darstellen. Medikamente helfen nicht immer oder verursachen unangenehme Nebenwirkungen, und klassische Ablationsmethoden sind mit Risiken verbunden. Hier kommt die Pulsfeldablation ins Spiel – ein innovatives Verfahren, das zunehmend als schonende Alternative zur Ablation mit Hitze oder Kälte genutzt wird. Die Pulsfeldablation setzt gezielte, hochintensive elektrische Felder, um die fehlerhaften Herzgewebe präzise zu behandeln. Dieses Verfahren erhöht nicht nur die Erfolgschancen, sondern verbessert auch die Heilungschancen für Patienten, indem es eine genauere und weniger invasive Behandlungsmethode bietet.

Pulsfeldablation

In der Sektion Elektrophysiologie (EPU) am Klinikum Friedrichshafen zählt diese Energieform bereits seit zwei Jahren zur Standardtherapie bei Vorhofflimmern und wird inzwischen auch für andere Rhythmusstörungen genutzt. „Diese Technik ermöglicht eine sehr präzise Behandlung und schont gleichzeitig das umliegende Gewebe“, erklärt Dr. Hansjörg Bauerle, Sektionsleiter der EPU. Über 300 Patienten haben er und sein Kollege Dr. Christoph Staudinger inzwischen sehr erfolgreich mit dieser Methode behandelt

vielversprechende Option für Patienten mit Herzrhythmusstörungen

Für komplexere Herzrhythmusstörungen steht dem Klinikum Friedrichshafen seit einigen Monaten ein neues Gerät zur Verfügung, um die Pulsfeldkatheter mit dem hochauflösenden Navigationssystem zu kombinieren. „Ein atypisches Vorhofflattern, beispielsweise, tritt häufig nach früheren Herzoperationen auf und ist oft schwieriger zu behandeln, da die krankhaften Stromkreise individuell sehr unterschiedlich verlaufen können“, sagt Dr. Bauerle und erklärt den entscheidenden Fortschritt der neuen Methode: „Die Kombination von Ablationskatheter und unserem modernem 3D-Mappingsystem hilft, den Weg des Herzrhythmus sichtbar zu machen“. Die Ärzte erstellen während des Eingriffs eine dreidimensionale Landkarte des Herzens. Dieses sogenannte Mapping zeigt die elektrischen Signale des Herzmuskels in Echtzeit und macht krankhafte Leitungsbahnen sichtbar.

3D-Mappingsystem

Mit dem eingesetzten Pulsfeldkatheter kann man jetzt nicht nur behandeln, sondern gleichzeitig auch messen und die Landkarte des Herzens erstellen – so entfällt der Wechsel zwischen verschiedenen Instrumenten und die Spezialisten sehen unmittelbar, wo sich die Störung befindet, die sie mit den Pulsfeldimpulsen gezielt ausschalten. „Die Eingriffszeit verkürzt sich, das Herz wird weniger belastet und wir können eine sehr präzise Therapie auch bei komplexen Rhythmusstörungen anwenden“, fasst Dr. Staudinger zusammen.

Elektrophysiologie

Die Sektion Elektrophysiologie in Friedrichshafen gehört damit zu den Zentren, die diese neue Technologie nicht nur anwenden, sondern auch gezielt weiterentwickeln und auf anspruchsvollere Krankheitsbilder übertragen. „Die Integration von Ablation und Mapping in einem System erlaubt uns ein sehr kontrolliertes und individuelles Vorgehen“, erklärt Dr. Bauerle. Das EPU-Team hat „mit diesem Kombinationsverfahren bereits mehr als 50 Patienten erfolgreich behandelt.“ Neben der technischen Ausstattung spielt dabei vor allem die Erfahrung des Behandlungsteams eine zentrale Rolle. Die kontinuierliche Anwendung in den letzten zwei Jahren hat zu einer hohen Routine im Umgang mit der Pulsfeldtechnik geführt.