Ersthelfer-App rettet Leben am Bodensee
Gute Überlebenschancen Dank des Herz-Stillstand-Zentrums
Ein 55-jähriger Hotelgast am Bodensee geht nach dem Frühstück auf die Straße und wacht nach seinem Herzstillstand im Klinikum Friedrichshafen wieder auf, erholte sich vollständig und arbeitet wieder normal.
67.000 Herzstillstände jährlich
Keine Selbstverständlichkeit, keine Normalität: normalerweise versterben etwa 90 Prozent der etwa 67.000 Opfer eines plötzlichen Herz-Stillstands in Deutschland jährlich. Nur bei einer zeitlich und inhaltlich optimal ablaufenden Rettungskette zwischen Notruf, Ersthelfern, Rettungsdienst und Notarzt, Herzkatheter, und Intensivstation gibt es Überlebenschancen. Und genau davon profitierte der Bodensee-Urlauber.
Cardiac Arrest Center Friedrichshafen
Seit 2019 ist das Herz-Stillstand-Zentrum Friedrichshafen (Cardiac Arrest Center) ein fester Bestandteil der Notfallversorgung am Bodensee. Ziel ist es, durch eine strukturierte und Leitlinien orientierte Therapie die Überlebens-Wahrscheinlichkeit von Opfern eines plötzlichen Herz-Stillstands zu steigern. 112 solcher Herz-Stillstand-Zentren gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich alle einem jährlichen Vergleich stellen, um dadurch kontinuierlich Verbesserungspotentiale zu definieren.
Die aktuellen Daten zeigen: Zwar liegt der Anteil der lebend entlassenen Patienten in Friedrichshafen mit 30,5 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 33,0 Prozent. Dafür überzeugt das Zentrum mit einem deutlich höheren Anteil an Patienten, die nach der Reanimation eine gute neurologische Leistungsfähigkeit oder nur leichte Beeinträchtigungen aufweisen (96,0 % vs. 80,3 %). Besonders bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund, dass die wiederbelebten Patienten am Bodensee im Schnitt älter sind (72,6 vs. 66,9 Jahre) und häufiger unter Begleiterkrankungen leiden, die ihren Alltag stärker einschränken (54,9 % vs. 43,2 %).
„Auch hier zeigt sich: Wir machen gute Medizin und Pflege am Klinikum Friedrichshafen und analysieren kontinuierlich und selbstkritisch, wo wir uns verbessern können“, so Geschäftsführer Dr. Jan-Ove Faust.
Interessiert an ständiger Verbesserung
Die größte Verbesserung ist die Einführung der Ersthelfer App (www.regionderlebensretter.de) in der Region Bodensee-Oberschwaben im Sommer 2025. Mittels dieser werden nach einem Notruf potentielle Ersthelfer geortet und dann per Handy-App alarmiert. So war es auch beim Meersburger Hotelgast, der anonym bleiben möchte: vier „Region der Lebensretter App“-Retter rückten aus (siehe Abbildung) - zwei begannen mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung, einer holte einen Defibrillator und der vierte holte den Notarzt des Rettungshubschraubers am Landeplatz ab, sodass dies eine ideale Ergänzung des Rettungsdienstes ist.
Der Patient wurde ins Klinikum Friedrichshafen gebracht, „wir haben ihn von dem Rettungsdienst-Team übernommen, in unserem Herzkatheter versorgt und dann auf unserer interdisziplinären Intensivstation stabilisiert“, erinnert sich der kardiologische Chefarzt Prof. Siniša Marković, Klinik für Innere Medizin.
Werde Ersthelfer
Der regionale Koordinator dieser Ersthelfer-App, Prof. Dr. Volker Wenzel, Chefarzt der Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Friedrichshafen, gratuliert: „Die Ersthelfer sind für mich moderne Helden, weil sie ehrenamtlich im Einsatz sind und dabei eine Hilfe für Menschen in fundamentaler Lebensgefahr bieten. Das kann das reguläre Gesundheitssystem nicht anbieten, weil es dafür weder die finanziellen Mittel, noch die Fachkräfte geben wird“.